Warum wir adoptieren

5155_202668085374_5613724_nJeder hat eine bestimmte Vorstellung von seinem Leben, ich jedenfalls

Studieren gehen – ERLEDIGT.

Im Ausland wohnen – ERLEDIGT.

Musizieren mit grosser Freude – ERLEDIGT.

Sich in einen tollen Mann verlieben – ERLEDIGT.

Diesen Mann heiraten – ERLEDIGT.

Eine Familie gruenden. Eltern sein. Ein Baby haben. Windeln wechseln. Naechtliches Fuettern. Toepfchengehen. Erster Schultag. Schulfeiern. Pfadfinder. Erste Liebe. Schulabschlus – VERWEIGERT

Du wirst das Kind haben, was das Schicksal fuer Dich ausgesucht hat, und es kommt, wenn es dafuer bereit ist, nicht wann Du es willst. Auf dieses Credo haben wir immer vertraut.

Bis jetzt wurde uns eine der fundermentalen Freuden des Lebens vergoennt – Elternschaft. Nach unfruchtbaren Jahren fanden wir uns in einer Reproduktionsklinik wieder um festzustellen, dass fast keine Eizellen mehr uebrig waren. Wir waren verzweifelt. Wir ersparen Euch die erfolglosen naechsten 18 Monate, aber kurz gesagt, nach 3 IVF Versuchen, einer sogar mir Eizellenspende und einer Fehlgeburt am Weihnachtstag, blieb uns nur ein furchtbarer Schmerz.

Wir hatten sorgsam fuer unser erstes Kind gespart und uns verantwortungsvoll vorbereitet. Aber weil IVF Behandlungen in der Schweiz nicht von der Versicherung gedeckt sind, verloren wir all unsere Ersparnisse von etwa $30,000 fuer nichts als Schmerz und Traenen. Ich habe immer gewitzelt, dass eine Schwangerschaft nicht mehr kosten Sollte als ein gutes Abendessen und eine Flasche Wein. Und hier sind wir nun, immer noch kinderlos.

Wir haben genug. Wir sind jetzt beide 36 und seid 3 Jahren auf einer vergeblichen Reise. Wir haben  nachgedacht, ein Kind zu haben, das nich Mamas Augen und Papas Gruebchen hat. Wir haben beschlossen, trozdem eine Familie zu gruenden,ein Kind zu erziehen, auch wenn es nicht das leibliche ist. Wir waren immer offen fuer neue Wege auch fuer Adoption und hatten genug von andauernden Arztbesuchen. Wir wussten, dass IVF ein Gluecksspiel ist und hatten genug vom Verlieren. Punkt. Die Realisation begann mit der neuen Etappe, der Auswanderung in die USA.

Wir begannenn unsere Hausaufgaben zu machen, unzaehlige Informationen zu sammeln, in Buechern, Foren und persoenlichen Gespraechen mit Adoptions – Agenturen. Wir haben schnell bemerkt, was man alles wissen muss, wie viel es kostet und wie lange es dauert. Schnell sieht man ein, dass “Warum adoptiert Ihr nicht einfach” gar nicht so einfach ist. Es ist ein langer, beschwerlicher Weg mit vielen Hochs und Tiefs, das eine IVF Behandlung aussehen laesst, wie ein Besuch im Disneyland. Warum tun wir uns das an? Weil wir uns kein Leben ohne Eltern zu sein vorstellen koennen. Frueh im Prozess mussten wir die Entscheidung faellen, welche Art der Adoption wir anstreben. Wir wollten eine Verbindung zum Kind, die so frueh wie moeglich in seinem Leben beginnen soll Es ist ziemlich bedrueckend, dass man solche Entscheidungen mit einfachen Haekchen auf einem Blatt Papier treffen kann. Dieser Prozess wird sehr schoen in Jennifer Gilmores Buch, THE MOTHER beschrieben. Wir entschieden uns letztlich zur Domestic Infant Adoption.

Wir begannen  unser Heim-Studie, Lasen Buecher, fuellten Frageboegen aus. Wir hatten Gruppengespraeche und Einzelgespraeche mit der Agentur, die dabei mit der Lupe in die letzte Ecke unseres Lebens schauten. Waehrend dieser Zeit geschah doch tatsaechlich ein Wunder: Ein  Zufalls-Anruf bei der Agentur American Kidz Adoption Services in St. Petersburg, Florida. Gerade hatte sie einen neuen Fall bekommen, der den Wuenschen unserer Listen entsprach und sie fragte, ob wir interessiert seien. Selbstverstandlich. Wir verbrachten das komplettes Wochenende, um einen “Liebe Mutter”-Brief  zu verfassen und ein 40 seitiges Fotobuch ueber uns und unser Leben zu gestalten.Wir beschrieben in schoenster Form, wer wir sind, wo wir herkommen, unsere Wuensche, unsere Erziehungsplaene fuer das Kind, unsere Odyssee zur Adoption – ein ganzes Leben mit ein paar Bildern und Zeilen auf 40 Seiten.

Den werdenden Eltern, die sich entschlossen hatten, ihr Baby zur Adoption freizugeben wurden an einem Tag mehrere Profile von Bewerbern vorgelegt, wonach sie eine Entscheidung treffen konnten. Die werdende Mutter (Wir nennen Sie “Em”) war in der 17. Woche schwanger. Sie und ihr Partner (wir nennen ihn “Ed”) erziehen gerade schon ein fast einjaehrigen Sohne. Em hat schon 2 Kinder aus frueheren Beziehungen. Beide waren sich schnell einig, dass sie das neue Baby zur Adoption freigeben wollten. Diese Entscheidung hat fue sie einige Ueberwindungen gekostet und bedurfte einer grossen Potion an Courage. Ich bin beeindruckt, wie jemand einen solchen Beschluss fassen kann. Als sie sich durch unser Profil gelesen hatten, wollten sie mit uns persoenlich telefonieren. Wir sprachen fuer eine gute Stunde und wir waren alle sehr nervoes. Im Telefonat erzaehlten sie uns, dass sie sich uns als neue Eltern ihres neugeborenen Jungen wuenschten.

Zwei Tage spaeter waren wir schon via life Video Schaltung bei einer von Ems Ultraschall-Tests dabei. Wir konnten es sehen, unser zukuenftiges Kind und wir waren begeistert. Schlussendlich konnten wir ein Ultraschall sehen, was unsere Herzen vor Freude hoeher schlagen liess.

In der ersten Juniwoche flogen wir nach Florida um Em und Ed zu treffen. Wir konnten auch deren goldigen einjaehrigen Sohn treffen, der uns die ganze Zeit bespasste. Es gibt keine Worte fuer diese Erfahrung. Darueber schreiben wir in einem anderen Eintrag. Aber kurz gesagt erfuellte sich dieses Treffen, wie es schoener nicht haette sein koennen.Wir haben uns alle praechtig verstanden. Wir sprachen ueber den Geburtsplan und Em und Ed luden uns ein, bei der Geburt unseres Kindes im Raum mit dabei zu sein. Wir sprachen auch ueber die Zukunft der Kinder und dass wir gern langfristig in Kontakt bleiben wollen. Nach der ersten Begegnung fuhren wir noch mit Em zu ihrem Arzt, wo wir nochmal, diesmal mit eigenen Augen, das Baby im Bauch sehen konnten.

Es ist ein Junge! Und er kommt im September!

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